Zwischen Leben und Tod Erfahrungsbericht aus der musiktherapeutischen Arbeit mit Wachkomapatienten
In between Life and Death Report about Experiences won with patients suffering from coma vigile
Summary
The number of patients suffering from coma vigile has been increasing steadily. Medical and technical progress enable to recall men to life. But many of them remain in an inter-mediate stadium and seem unreachable for us in their other world. The following article offers a report about the scenario of the disease and its course. Further on chances of entering this world by music therapy are shown.
Zusammenfassung
Die Zahl der Wachkomapatienten steigt stetig. Die Fortschritte der Medizin und der Technik ermöglichen es, den Menschen wieder "zurückzuholen" ins Leben. Jedoch verharren viele in einem Zwischenstadium und scheinen für uns unerreichbar in einer anderen Welt. Im folgenden Aufsatz wird über das Krankheitsbild und dessen Verlauf berichtet. Ferner zeigt er musiktherapeutische Möglichkeiten eines Zugangs zu dieser Welt.
Keywords
Coma vigile, music therapy with patients suffering from apallic syndrome, experiences
SHT Patienten - unheilbarer Zustand ?
Im folgenden Beitrag möchte ich über eine Gruppe von schwer erkrankten Menschen berichten, die nach einer Hypoxie (Sauerstoffmangelschädigung) des Gehirns oder einem schweren Schädel-Hirntrauma in einem komatösen Zustand verharren. Diese Menschen haben medizinisch gesehen eine gewisse Stabilität der Vitalwerte, können wieder spontan atmen und besitzen meist einen Schlaf-Wachrhythmus. Diesen Zustand nennt man apallisches Syndrom oder "Wachkoma". Aus medizinischer Sicht ist der Patient durch den Ausfall der Großhirnrinde nur noch in der Lage auf einer Ebene der Hirnstammreflexe zu "vegetieren" (vegetative state". Durch neuere Erkenntnisse weiß man, daß es sich nicht - wie anfangs angenommen - um "Bewußtlose" oder gar "Hirntote" handelt. Forschungsarbeiten und Beobachtungsstudien belegen, daß durch körpernahen Dialogaufbau eine Beziehung zu diesen Patienten hergestellt werden kann. Im körpernahen Dialogaufbau ist es möglich, sich selbst und seine Wirkung wahrzunehmen. So wie die Mutter ihr Kind als biologischen Spiegel in seiner Ausdruckfähigkeit begleitet, so wird der Wachkomapatient in dieser Form der Therapie in seinen Regungen und Äußerungen begleitet und gefördert. Die Leitthese der integrativen Therapie, daß der Mensch wesensmäßig ein Ko-Existierender ist, ebenso die Theorie der Psychologie, daß man sich selbst erst im Du erkennt, unterstützen diese Wirkweise. Kommunikationsanbahnung zu diesem Klientel muß auf verschiedenen Sinnesebenen stattfinden. Dazu ist es wichtig, kleinste Regungen, winzige Zeichen zu beobachten, zu erkennen. Nur mit dieser positiven Sichtweise auf die Ressourcen und nicht die Defizite ist Beziehung bzw. Dialog möglich. In meiner mehrjährigen Arbeit mit Wachkomapatienten habe ich viele dieser kleinsten Regungen und Zeichen kennengelernt.
Wachkoma - apallisches Syndrom
Medizinisch gesehen bedeutet das apallische Syndrom (nach dem griechischen "Pallium") die Trennung von Hirnmantel und Hirnstamm. Das bedeutet, daß der Mensch in diesem Zustand - laut Pschyrembel 1990, ( 29, 107) - nicht in der Lage ist, bewußt Sinneseindrücke wahrzunehmen bzw. zu verarbeiten, Handlungen bewußt zu planen und umzusetzen. Der Apalliker ist nicht bewußtlos, aber sein Bewußtsein ist gestört bzw. eingetrübt. Körperliche Zeichen sind die spastischen Verkrampfungen der Unterarme bzw. Streckhaltung der Extremitäten, sowie eine hohe Muskelanspannung, die immer wieder in krampfartigen Anfällen gipfeln kann. Die Pupillen sind geweitet, reagieren nicht auf optische Reize, die Augen schweifen ziellos umher. Vegetative Elementarfunktionen wie Schluck-, Saug- und Greifreflexe sind meist erhalten. Deshalb wird das apallische Syndrom als vegetativer Zustand bezeichnet. Dabei ist das a. S. kein statischer Zustand. Die Patienten durchlaufen unterschiedliche Entwicklungsphasen. Diese Entwicklungsphasen verlaufen eher fließend. Die Entwicklung kann bis zur völligen Genesung führen, aber ebenso können die Patienten in einem Entwicklungsstadium stehenbleiben. Dies hängt im wesentlichen von der Schwere des Schädel - Hirntraumas ab. Im Verlauf der Entwicklung, dem sogenannten Durchgangssyndrom, zeigen die Patienten psychisches und physisches Chaos. Heftiges Schwitzen, starke Unruhe, Schreien, Weinen, ängstliches Verhalten kennzeichnen diese Zeit. Nicht jeder Apalliker erreicht diesen Zustand. Viele verharren im chronifizierten Zustand.
Was ist Musiktherapie? Behandlungsmöglichkeiten - Handlungsspielräume
Schon David spielte König Saul auf der Harfe vor, um dessen Schwermut zu vertreiben, so findet man erste Ansätze der Musiktherapie in der Bibel. Klang, Rhythmus und Bewegung sind die Grundelemente für diese prozeß- und kommunikationsfördernde Verfahren. Melodie und Rhythmus wirken unmittelbar auf den Menschen und seine Sinne. Rezeptive und aktive Musiktherapie lassen sowohl aktives als auch passives Erleben zu, was für Wachkomapatienten von großer Bedeutung ist. Über den Hörsinn können diese Patienten über Klänge, Töne, Stimme angesprochen werden. Gleichzeitig werden Gefühle wie Vertrauen, Geborgenheit, Nähe usw. über die Musik transportiert. Die vegetative Stabilisierung (vertiefte, regelmäßige Atmung, langsamerer Herzschlag) zeigen Entspannung und Beruhigung des Patienten unmittelbar an. Durch Mitbewegen, rhythmische Stimulierung, Spiegelung der Lautierung kann die Kommunikationsanbahnung eingeleitet werden. Durch unterschiedlichste Instrument - zum Teil für den Patienten konstruiert - kann sich dieser hörbar machen. Ausdrucksfähigkeit und Ausdrucksmöglichkeit ist ein lebenswichtiger Faktor für den Menschen. Im folgenden Erlebnisbericht über die Patientin Karla wird deutlich, welch immensen Motivationscharakter die gewonnene Ausdrucksfähigkeit für ihre Entwicklung und Genesung hat. Ein weiterer Ansatzpunkt in der Musiktherapie ist der Atem, Durch klangliche bzw. stimmliche Verstärkung des Atemrhythmuses wird die Körperwahrnehmung angeregt. Rhythmische Stimulation in Form von Berührungsreizen wirken unterstützend und regen die psychomotorischen Fähigkeiten an. Musik gibt die Möglichkeit, Gefühle auszudrücken. Selbst schwerstbehinderte Menschen sieht man emotionales Erleben als Reaktion darauf an, sei es durch Veränderung der Körperspannung, der Mimik, des Atems oder sogar durch Tränen. Musiktherapie läßt Entfaltung und Ausdruck der eigenen Kreativität und damit die Grundlage für Entwicklung zu. Sie setzt nicht dort an, wo Einschränkung durch Behinderung oder Krankheit herrscht, sondern bietet vielfältigen Freiraum für Ressourcen, Möglichkeiten des gemeinsamen Erlebens.
Die schweren "Fälle"
Einige Patienten haben sich in den eineinhalb Jahren meiner musiktherapeutischen Arbeit kaum bis überhaupt nicht verändert. Sie verharren in ihrem Zustand; d. h. äußerlich kann ich keine Reaktionen feststellen. Allerdings glaube ich bei allen, daß sie etwas wahrnehmen. Besonders auffällig ist die Aufmerksamkeit der Ohren. Wie Antennen richten sie sich nach der Schallquelle aus. Wenn die Patienten auch sonst keine Ausdrucksmöglichkeit haben, wird dort deutlich, daß sie hören. Einige Patienten zeigen seit Beginn der Behandlung ein stark abwehrendes Verhalten, was sie mit Prusten, Brummen oder Unbehagen ausdrücken. Jede Annäherung wird mit diesem Verhalten quittiert. Magda "duldet" mich zwar in ihrem Zimmer, aber näher als bis zum Stuhl neben ihrem Bett darf ich nicht. Ann - Marie "ignoriert" meine sämtlichen musiktherapeutischen Stimulationen. Halte ich die klare Seite der Oceandrum vor ihr Gesicht, betrachtet sie sich neugierig darin. Oft sinken Mut und Hoffnung auf Entwicklung an solchen Stellen auf den Nullpunkt. Seltsamerweise folgt oft nach solchen "Nullrunden" eine starke Reaktion in der nächsten Stunde. Auf jeden Fall wird deutlich, daß Kontaktanbahnung nicht nur auf physische sondern auf psychische Probleme stößt. Vor allem Emotionen der Wachkomapatienten werden im musiktherapeutischen Prozeß sichtbar - die Basis meiner Arbeit.
Setting
Die Patienten liegen meist im Bett, manchmal sitzen sie während der Musiktherapie im Rollstuhl. Im Idealfall kann ich mit ihnen im Snoezelraum arbeiten, wo eine vielseitige Stimulierung möglich ist. Körperlich durch
- Vibration der Töne über das Wasserbett
- olfaktorisch durch Duftöle
- optisch durch Form und Bildprojektion und die Wassersäule
- akustisch durch spezielle Entspannungsmusik
Der erste Kontakt
Als ich ein Vorgespräch mit der Stationsleiterin über meine zukünftigen acht Wachkomapatienten führte, wußte ich nicht so recht, was mich erwartete. Zunächst lernte ich André kennen. Ein junger Mann, der nach einer Schlägerei in seinem jetzigen Zustand gefunden wurde.Ich lege meine Hand auf seine rechte Schulter und begrüße ihn. Sein Gesicht zuckt unruhig, seine Augen wandern ziellos im Raum herum, und doch spüre ich seine Aufmerksamkeit, die er meiner Stimme schenkt. Es sieht so aus, als ob seine Augen danach suchen, was seine Ohren hören. Ähnlich sieht mein Erstkontakt mit Kerstin aus. Ein elfjähriges Mädchen, das nach einem Schwimmunfall im Wachkoma liegt. Die Bewegungstherapeutin hat sie gerade aufs Bett gesetzt. Ich lege eines ihrer Lieblingsstücke von ENYA auf und beginne, während ich mich vorstelle, ihre Arme zu wiegen. Kerstin ist zunächst sehr spastisch, hält ihre Arme fest vor den Schultern. Jetzt öffnet sie ihre Augen, formt Laute mit ihrem Mund und lockert ihre Arme immer mehr. Ihr Kopf ist völlig gespannt, konzentriert, was da um sie herum passiert. Nach kurzer Zeit fühle ich die Bereitschaft von ihr körperlich, rhythmisch in Kontakt zu bleiben. Nach etwa zehn Minuten wird sie deutlich müde. Mit zufriedenem Gesichtsausdruck sinkt sie in die Arme der Bewegungstherapeutin, die Kerstin lange nicht so locker erlebt hat. Völlig anders erlebe ich dagegen den ersten Kontakt mit Magda, einer etwa vierzigjährigen Frau, die nach der Narkose im Zustand des apallischen Syndroms verharrt. Ich singe ihr ihre Lieblingsmelodie "Memory" aus dem Musical "Cats" vor. Die Stationsleiterin begleitet mich in ihr Zimmer. Nach einigen Minuten bäumt sich Magda auf, schreit und hustet laut, danach fließen Tränen über ihre Wangen. Die Stationsleiterin ist erstaunt, da sie noch nie solch eine heftige Reaktion bei ihr erlebt hat. Auch die übrigen Patienten reagierten auf ihre Weise, jeder für sich ganz persönlich und individuell. Inzwischen sind eineinhalb Jahre vergangen.
Begegnung, aber wie und wo
Nachdem ich meine ersten Gefühle (Schrecken, Angst, Neugier, Freude) einigermaßen sortiert hatte, überlegte ich, wie ich mit den Einzelnen in Kontakt kommen kann. Dazu konzentrierte ich mich zunächst auf meine Wahrnehmung, was jeder Einzelne ausdrücken konnte. Dieser Ausdruck beschränkte sich bei den meisten auf ihren Atem, manchmal unkontrollierte Bewegungen, aber auch eine klare Aufmerksamkeit, daß sie meine Anwesenheit wahrnehmen.
Aktion - Reaktion
Meine Kontaktversuche beinhalten die Elemente Berührung, Klang, Bewegung. In der Initialphase berühre ich die Patienten an einem festen Punkt - meist die Schulter, die Hand oder die Wange. Dann gebe ich mich mit Namen und Stimme zu erkennen, oft mit einer persönlichen Melodie oder einem "Lieblingslied" für den Einzelnen. Bewegung entsteht entweder während der Eingangsmelodie durch rhythmisches Wiegen der Hand oder anderen Körperteilen oder Streicheln im Rhythmus der Melodie. Dazwischen sind Pausen und Warten. Warten auf eine Reaktion. Wachkomapatienten brauchen oft lange Zeit bis zur Reaktion. Es dauert manchmal Minuten bis die ersten ungezielten aber auch vereinzelt gezielten Reaktionen erfolgen. André beginnt nach einer Weile der klanglich - rhythmischen Stimulation wild zu zucken; Gesicht, Arme, Beine schnellen plötzlich wie nach einem Stromschlag hervor. Dann steigt in seinem Gesicht ein ängstlicher Gesichtsausdruck auf, er schwitzt stark. Hat er die Angst überwunden, werden die Bewegungen rhythmischer, gezielter und unmittelbarer. Am Ende ist er entspannt und zufrieden. Sein Blick ruht, sein Gesicht wirkt fast freundlich.
Entwicklung - endlich!
Kerstin reagiert inzwischen viel spontaner und offener. Wenn sie meine Stimme an ihrer Zimmertür hört, dreht sie den Kopf, wird unruhig und aufmerksam und erwidert mein "Hallo" mit einigen Lauten. Sie ist richtig aufgeregt, wenn ich mich neben ihrem Bett niederlasse. Sie dreht ihren Kopf in meine Richtung, macht Mundbewegungen und stößt Laute aus, die einem "Ja" immer ähnlicher werden. Während ich ihr Lied singe: "Hallo Kerstin., schön Dich heut zu sehn, hallo Kerstin, kannst Du mich verstehn?" wird sie aktiv. Ihr Atem wird tiefer und schneller. Sie formt bei Ker - stin den Mund. Ich richte mich im Tempo nach ihrer Mundbewegung. Klappt unser Zusammenspiel, weint sie glücklich, klappt es nicht, schreit sie wütend mit einem tiefen, kräftigen Unterton in der Stimme. Dann hält sie inne, ihr Blick verändert sich, die Pupillen werden klein, sie dreht den Kopf, schaut mir in die Augen. Jetzt ist sie zum Greifen nah. Mit Worten ermutige ich sie weiterzugehen, ihren Ohren zu "vertrauen". Gleichzeitig teile ich ihr alle Handlungen ihrerseits mit, die ich beobachten kann. Dieser intensive Kontakt dauert wenige Minuten, dann sinkt sie erschöpft in ihr Kissen. Jetzt heißt es wieder Abschied nehmen für eine Woche. Anfangs hat Kerstin lange geweint und geschrien. Nachdem wir Abschied behutsam geübt haben, kann sie besser, erwachsener damit umgehen. Ein Kuscheltier und eine schöne CD lassen einen entspannten Abschied zu.
Rückfall
Die Entwicklung der Wachkomapatienten ist häufig geprägt von heftigen Rückfällen und Stagnation. Da ist beispielsweise Helmut, ein Mitdreißiger, der einen Motorradunfall hatte. Bis kurz vor Weihnachten hatte er viel geschafft. Er konnte "Ja" sagen, beide Arme bewegen, mit seiner Tambura (Geburtstagsgeschenk der Eltern) ohne Hilfe spielen. Als ich sein Zimmer in dieser Zeit betrat, fand ich ihn in einem desolaten Zustand. Er atmete nur sporadisch, schaute ins Leere, reagierte nicht auf mich. Dann plötzlich - Atemstillstand. Gott sei Dank war die stellvertretende Stationsleiterin zur Stelle. In Windeseile begann sie mit Herzmassage, drückte mir die Atempumpe in die Hand und alarmierte den Notarzt. Nach etwa sechs Wochen Zittern war sein Zustand bei seiner Rückkehr auf der Station recht gut. Er muß zwar einige Entwicklungen noch einmal aufbauen, ist aber irgendwie "gereift". Kerstins schnelle Fortschritte werden durch Atmungsinfekte unterbrochen. Carla hat depressive Phasen, in denen sie äußerlich wenig mitmacht, aber inhaltlich arbeitet. Meist "piekst" sie ein Lied an, was sie sich selbst wünscht (sie kann inzwischen flüsternd sprechen und sie weint minutenlang mit lautem Schreien.
Die Umgebung
M.E. trägt eine positive Umgebung sehr zur Entwicklung der Wachkomapatienten bei. Auf der Station arbeitet ein Team von engagierten Pflegekräften, die auch mit den von "außen kommenden" Therapeuten guten Kontakt pflegen. Die Patienten werden liebevoll gepflegt und als Menschen respektiert. Das Team sorgt ebenso für Austausch mit den Angehörigen. Jeder Patient wird nach seinen Kräften gefordert und gefördert. Die persönlich eingerichteten Einzelzimmern strahlen Ruhe und "zu Hause" aus. Sicher ist diese Atmosphäre nicht überall mit Wachkomapatienten möglich. Vieles scheitert an finanziellen Mitteln. Meine Arbeit wird beispielsweise bisher spontan über Spenden finanziert. Ich weiß nie, wie lange das Geld reicht. Letztendlich glaube ich, daß sich jede Stunde lohnt, jede Beziehung. Ebenso wichtig ist die Beziehung zur Familie. Was für Rituale, Bindungen, Konflikte sind Usus?
Resultate Erfolge - Mißerfolge
Medizinischer Teil
Musiktherapie wird in der Neurologie immer mehr eingesetzt. Ihre unmittelbare Wirkung auf das limbische System (Zentrale für Gedächtnis, Gefühle, Lernverhalten) ist in der Behandlung von Koma- bzw. Wachkomapatienten von enormer Bedeutung. Der Neurologe Oliver Sacks hält Musiktherapie dabei für eines der wirkungsvollsten unter den Mitteln, die nicht auf chemischen Substanzen beruhen. Wie eingangs schon erwähnt wird der Patient an seiner "gesunden Seite" erreicht, nicht an seiner defizitären. Die entwicklungsfördernde Wirkung kreativen Tuns hat die humanistische Psychologie längst erkannt.
Musiktherapie kann selbst Schwerstkranke begleiten, sie in ihren vorhandenen Fähigkeiten motivieren und fördern, sie bietet Kontakt- und Ausdrucksmöglichkeit. Musiktherapie berührt die Seele und evoziert Stimmungen und Befinden des Patienten, gleichzeitig ist dieser durch die Musik berührbar - erreichbar. Wahrnehmen, Erleben und Gestalten sind im musikalischen Tun, in der musikalischen Begegnung immer möglich - auch im Stadium des Wachkomas bzw. Komas. In meiner Arbeit mit den vorher beschriebenen Wachkomapatienten konnte ich folgende Fortschritte beobachten:
Carla, eine 40-jährige Frau, war durch eine Hirnblutung ins Wachkoma gefallen. Sie hat seit Beginn unserer Arbeit enorme Fortschritte gemacht. Nachdem Carla gelernt hat auf Fragen mit ja bzw. nein zu antworten, stand zunächst psychotherapeutische Arbeit im Vordergrund. Ihr Mann hatte sie mit ihren 2 Kindern inzwischen verlassen und ist nach Süddeutschland gezogen. Sie hat lange in depressiven Phasen verharrt, wollte nicht mehr essen, nicht mobilisiert werden, nur noch im dunklen Zimmer liegen. Es dauerte einige Zeit, bis sie in der musikalischen Begegnung Wut und Trauer bearbeitet und ein neues Ziel für sich selbst gefunden hatte. In dieser Zeit habe ich ihr oft ihr Lieblingslied "Über 7 Brücken mußt du gehen" von P. Maffey auf der Gitarre vorgespielt, wobei sie herzzerreißend weinte. Anschließend haben wir mit Trommel, Schellenring oder Triangel gemeinsam improvisiert und Körper- und Seelenerfahrungen besprochen. Sie gewann an Selbstbewußtsein und Motivation. Weihnachten überraschte sie ihre Kinder mit "heimlich geübten" Weihnachtsliedern auf dem Keyboard. Sie ist hochmotiviert durch ein Klavier, welches inzwischen leihweise der Station zur Verfügung gestellt wurde. Sie spielt kleine Lieder mit der rechten Hand. Inzwischen kann sie selbständig essen und teilweise schreiben. Sie ist stolz auf ihre Selbständigkeit und arbeitet hart an weiteren Schritten.
- Abbau der Ängstlichkeit verbunden mit deutlich sichtbarer Entspannung
- Emotionale positive Umstimmung und Stabilisierung nach fast jeder Therapiestunde
- Verbesserung der Selbstwahrnehmung, des Selbsterlebens
- Verbesserung der Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit durch emotionale Resonanz (deutlich sichtbar)
- Verbesserung der Beziehungs- und Kontaktfähigkeit mit und zu den Angehörigen durch gemeinsame musiktherapeutische Gruppenstunden
- Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit
- Verlängerung der Aufmerksamkeitsphasen.
Carla, eine 40-jährige Frau, war durch eine Hirnblutung ins Wachkoma gefallen. Sie hat seit Beginn unserer Arbeit enorme Fortschritte gemacht. Nachdem Carla gelernt hat auf Fragen mit ja bzw. nein zu antworten, stand zunächst psychotherapeutische Arbeit im Vordergrund. Ihr Mann hatte sie mit ihren 2 Kindern inzwischen verlassen und ist nach Süddeutschland gezogen. Sie hat lange in depressiven Phasen verharrt, wollte nicht mehr essen, nicht mobilisiert werden, nur noch im dunklen Zimmer liegen. Es dauerte einige Zeit, bis sie in der musikalischen Begegnung Wut und Trauer bearbeitet und ein neues Ziel für sich selbst gefunden hatte. In dieser Zeit habe ich ihr oft ihr Lieblingslied "Über 7 Brücken mußt du gehen" von P. Maffey auf der Gitarre vorgespielt, wobei sie herzzerreißend weinte. Anschließend haben wir mit Trommel, Schellenring oder Triangel gemeinsam improvisiert und Körper- und Seelenerfahrungen besprochen. Sie gewann an Selbstbewußtsein und Motivation. Weihnachten überraschte sie ihre Kinder mit "heimlich geübten" Weihnachtsliedern auf dem Keyboard. Sie ist hochmotiviert durch ein Klavier, welches inzwischen leihweise der Station zur Verfügung gestellt wurde. Sie spielt kleine Lieder mit der rechten Hand. Inzwischen kann sie selbständig essen und teilweise schreiben. Sie ist stolz auf ihre Selbständigkeit und arbeitet hart an weiteren Schritten.
Resultate allgemein
Kerstin (Name geändert), ein 12-jähriges Mädchen ist ein sogenannter "Ertrinkungsunfall". Sie ist im Schwimmbad ertrunken und nach einiger Zeit erfolgreich reanimiert worden. Grundlage für unser therapeutisches Setting war Vertrauen, was Kerstin sich mit ihrer negativen Vorgeschichte mühsam erarbeiten konnte. Sie öffnete sich immer mehr, was sie durch Blickkontakte, Fixieren und Lautieren und schließlich deutliches "Ja" zum Ausdruck brachte. Kerstins emotionale Kontaktaufnahme begann mit Weinen, wodurch sie mir ihr "berührt werden" zeigte. Ihren Wunsch nach Nähe durch Greifen nach meiner Hand oder Anlehnen ihrer Wange an meine Hand haben mich tief berührt. Lautes Schreien und Weinen am Ende der Stunde konnte Kerstin durch regelmäßige und verläßliche Rituale ablegen. Leider wurde unsere mühsame Arbeit durch plötzliches Verlegen- auf Wunsch der Pflegemutter- angebrochen. Carla (Name geändert) hat nach einigen privaten Schicksalsschlägen (ihr Mann hat sie mit den beiden gemeinsamen Kindern verlassen) viele depressive Phasen durchlitten.
In der Musiktherapie konnten wir die seelischen Konflikte bearbeiten. Sie hat Wut und Trauer mit trommeln und wohltuenden Liedern ausgelebt, war danach offen für Neues und Entwicklung. Schritt für Schritt haben wir eine neue Lebensperspektive erstellt. Carla hat gelernt, ihre Wut nicht gegen sich selbst zu richten, sondern die Energie für ihre eigenen Fortschritte zu nutzen. D.h. vor allem, sich nicht mehr nur selbst zu bemitleiden, sondern ihre motorischen Fähigkeiten zu trainieren. So hat sie in der Musiktherapie mit Fingerübungen auf der Kalimba Hand- und Armbewegungen mit Trommel, Schellenring und Triangel trainiert. Ihre Stimme wird beim Singen von Volksliedern immer lauter. Ein großes Highlight war für sie das Weihnachtsfest. Wir übten "heimlich" Weihnachtslieder auf ihrem Keyboard. Diese hat sie ihren völlig überraschten Kindern vorgespielt. Ein inzwischen bereitstehendes Klavier motiviert sie zusätzlich, da sie früher Klavier gespielt hat. Sie kann einfache Lieder spielen. Carla hat in der Musiktherapie ihre Ressourcen entdeckt. Sie konnte ohne Leistungsdruck auf kreative Weise spüren, daß sie etwas tun kann, sich hörbar, spürbar machen. Sie war überglücklich, als sie zum 1. Mal einen Trommelton erzeugte, als sie ihre eigene Stimme hörte. Sie bekam wieder ein Gespür dafür, daß sie ein handelnder Mensch ist. Musiktherapie konfrontiert den Patienten nicht ständig mit seiner Erkrankung oder Behinderung. Sie bietet ihm Handlungsspielraum, Kommunikationsformen, Gestaltungsweisen an. Sie holt ihn dort ab, wo er ist und begleitet ihn auf seinem Weg zu einer neuen Lebensphase mit mehr Lebensqualität.
In der Musiktherapie konnten wir die seelischen Konflikte bearbeiten. Sie hat Wut und Trauer mit trommeln und wohltuenden Liedern ausgelebt, war danach offen für Neues und Entwicklung. Schritt für Schritt haben wir eine neue Lebensperspektive erstellt. Carla hat gelernt, ihre Wut nicht gegen sich selbst zu richten, sondern die Energie für ihre eigenen Fortschritte zu nutzen. D.h. vor allem, sich nicht mehr nur selbst zu bemitleiden, sondern ihre motorischen Fähigkeiten zu trainieren. So hat sie in der Musiktherapie mit Fingerübungen auf der Kalimba Hand- und Armbewegungen mit Trommel, Schellenring und Triangel trainiert. Ihre Stimme wird beim Singen von Volksliedern immer lauter. Ein großes Highlight war für sie das Weihnachtsfest. Wir übten "heimlich" Weihnachtslieder auf ihrem Keyboard. Diese hat sie ihren völlig überraschten Kindern vorgespielt. Ein inzwischen bereitstehendes Klavier motiviert sie zusätzlich, da sie früher Klavier gespielt hat. Sie kann einfache Lieder spielen. Carla hat in der Musiktherapie ihre Ressourcen entdeckt. Sie konnte ohne Leistungsdruck auf kreative Weise spüren, daß sie etwas tun kann, sich hörbar, spürbar machen. Sie war überglücklich, als sie zum 1. Mal einen Trommelton erzeugte, als sie ihre eigene Stimme hörte. Sie bekam wieder ein Gespür dafür, daß sie ein handelnder Mensch ist. Musiktherapie konfrontiert den Patienten nicht ständig mit seiner Erkrankung oder Behinderung. Sie bietet ihm Handlungsspielraum, Kommunikationsformen, Gestaltungsweisen an. Sie holt ihn dort ab, wo er ist und begleitet ihn auf seinem Weg zu einer neuen Lebensphase mit mehr Lebensqualität.
Schlußbetrachtung
"So lange ein Mensch atmet, so lange existiert er." Diesen Satz nehme ich in meiner Arbeit als Leitsatz. Wenn ich gefragt werde, wie ich diese Arbeit aushalte, antworte ich oft: es gibt nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen. Die Arbeit ist anstrengend, aber auch sehr befriedigend. Die Patienten danken und belohnen mich durch ihr sichtbares Bemühen, ihre vermeintlich noch so kleinen Fortschritte. Mein Austausch mit Kollegen in einer Arbeitsgruppe "SHT-Syndrom" ist wichtig und m.E. unerläßlich. Ich hoffe, daß dieser Aufsatz die Wertigkeit der musiktherapeutischen Arbeit unterstützt. Literatur 1. Mindell, A. (1989)."Schlüssel zum Erwachen", Sterbeerlebnisse und Beistand im Koma. Olten und Freiburg im Breisgau, Walter - Verlag 2. Pschyrembel, W. (1990). Klinisches Wörterbuch. Berlin, New York, 256. Auflage, Walter de Gruyter - Verlag





